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Einleitung: Sinnlose Wettbewerbe - Warum wir immer mehr Unsinn produzieren PDF Print E-mail

 

Einleitung: Ein neues Gespenst geht um in Europa

Völker und Kulturen haben zu allen Zeiten immer wieder an und für sich wertlose Dinge und sinnlose Normen als erstrebenswert oder sogar sakrosankt erklärt. Und die Menschen waren dann jeweils angehalten, sich einen Wettkampf bzw. Wettbewerb um deren Erfüllung oder Besitz zu liefern. Angenehm war das selten. Schlimmstenfalls war ein solcher Wettkampf mit großen persönlichen Opfern und Leid verbunden und führte bestenfalls einfach zu einer Verschwendung von Zeit und Ressourcen. Diese fehlten dann aber bald einmal für wirklich wichtige Dinge.

 

Die Chinesen lieferten dafür schöne Anschauungsbeispiele,
die uns, da sie aus einer anderen Zeit und einem anderen
Kulturkreis stammen, besonders pervers oder absurd

 

erscheinen. Über etwa 1000 Jahre, bis zu Beginn des
20. Jahrhunderts musste eine Frau idealerweise möglichst
kleine Füße haben. Solche „Lotusfüße“ entsprachen dem
weiblichen Schönheitsideal, das es unter allen Umständen
anzustreben galt. Das Leben einer jungen Chinesin
wurde dadurch zu einer erbarmungslosen Tortur, die schon
im zarten Mädchenalter begann. Um die Füße der jungen
Frauen auf die gewünschte Größe zu bringen, wurden
beginnend vom Alter zwischen zwei und fünf Jahren
die Zehen unter die Ballen gebunden. Die Binden mussten
sowohl tags als auch bei Nacht getragen und mit jedem
Tag fester angezogen werden, bis irgendwann die Knochen
brachen und der Fuß in sich zusammenklappte. Und zehn
Prozent der Mädchen überlebten diese Behandlung schon
gar nicht, da sie an den Begleiterscheinungen starben.

Ein weiteres Beispiel aus China zeigt, wie falsche Anreize
nicht zu körperlichen sondern zu geistigen Deformationen
führten. Konfuzius, der Begründer der in China
über lange Zeit maßgeblichen nach ihm benannten Lehre,
hielt gelehrte Beamte für unabdingbar. Folglich etablierte
sich ein System von kaiserlichen Examen für potentielle
Beamte, das während 1300 Jahren beibehalten wurde. Eigentlich
vernünftig, würde man da zunächst einmal sagen,
denn welches Land wünscht sich nicht gebildete Beamte?
Doch im Laufe der Zeit wurden die Prüfungen immer formaler
und entfernten sich mehr und mehr von der Realität.
Höhepunkt dieser Entwicklung bildete der sogenannte
„Achtgliedrige Aufsatz“, eine streng in acht Teile gegliederte
Form der Erläuterung der konfuzianischen Werke
mit einer vorgeschriebenen Anzahl von Wörtern, die auf
bestimmte Weise angeordnet zu sein hatten. Dies war für
das Bestehen der Prüfung entscheidend. Diese Prüfungen
wurden zu einem Wettbewerb im Auswendiglernen formaler
Floskeln, welche der Qualität des chinesischen Beamtentums
keinesfalls zuträglich waren. Erst im Jahre 1905
wurde dieses Prüfungssystem definitiv aufgegeben. Aber
da war es auch mit dem Kaiserreich schon fast vorbei.

Weder die massenhafte „Produktion“ von Lotusfüßen
noch die nach dem „Achtgliedrigen Aufsatz“ gestalteten
Interpretationendes konfuzianischen Werkes machten wirklich
Sinn. Im ersten Fall machten sie das Leben junger
Frauen zur Hölle und im zweiten Fall führten sie zu jahrelangem
Erlernen sinnloser Formalismen. Aus einer heutigen
Perspektive taucht da die berechtigte Frage auf, warum
dann trotzdem Jahrhunderte lang an diesem Unsinn festgehalten
wurde, und warum Chinesinnen und Chinesen das
so lange mitmachten.

Um das zu verstehen, muss man sehen, dass es auch
Profiteure gab, die jeweils in mächtigen Positionen waren.
So galten kleine Füße nicht nur als attraktiv, weil sie als
erotisch galten, sondern sie schränkten auch erheblich die
Bewegungsfreiheit ein. Auf diese Weise konnten die Männer
ihre Frauen besser dominieren und kontrollieren. Und
die in sinnlosen Formalismen erstarrten Beamtenprüfungen
dienten dem Erhalt und der Zementierung von Macht,
der Macht des Kaisers und seiner konservativen Beamtenschar.
Angehende Beamte, die sich jahrelang nur noch
darauf konzentrieren, Wörter auswendig zu lernen und in
bestimmter Weise zu gruppieren, sind nach Abschluss dieser
Ausbildung geistig so erstarrt und gezähmt, dass sie das
bestehende System nicht mehr mit neuen Ideen gefährden.

Doch auch Europa weist eine reiche Tradition an Absurditäten
auf, wenn wir nur an das System der Blutrache
im Balkan oder die Verteidigung der männlichen Ehre
durch Duelle in früheren Jahrhunderten denken. Allen diesen
Beispielen ist gemeinsam, dass wir sie aus der heutigen,
aufgeklärten Perspektive als „pervers“, „absurd“ oder
„lächerlich“ empfinden. Doch damals fanden es die Männer
absolut normal, sich in Duellen gegenseitig umzubringen,
wenn sie sich in ihrer Ehre verletzt fühlten. Und
Frauen verachteten einen Mann, der nicht bereit war, sein
Leben für die Verteidigung der Ehre aufs Spiel zu setzen.

Was wir als normal oder erstrebenswert erachten, ist zu
einem großen Teil gesellschaftlich bzw. kulturell bedingt.
Und erst wenn man mit andern Kulturen konfrontiert wird
oder die Gesellschaft massiv unter ihren eigenen Normen
zu leiden beginnt, werden sie als hohl entlarvt. Das ist inzwischen
bei all den erwähnten Beispielen geschehen. Kein
Mann würde sich heute mehr für einen abstrakten Begriff
wie „Ehre“ duellieren und den modernen Chinesen sind
sowohl die Fußgröße der Frauen als auch der achtgliedrige
Aufsatz zur Interpretation konfuzianischer Werke herzlich
egal. Doch das bedeutet keineswegs, dass wir uns vom
Wettbewerb um sinnlose Dinge befreit haben. In dieser
Hinsicht waren die Menschen immer sehr kreativ, und wir
stehen unseren Vorfahren in nichts nach. Der Fortschritt
liegt einzig darin, dass unsere heutigen Ideale keine physischen,
sondern nur noch psychische Deformationen verlangen,
wie das schon bei den konfuzianischen Beamten
der Fall war.

Die heutigen gesellschaftlichen Ideale kommen in
abstrakten Begriffen wie „Effizienz“, „Exzellenz“, „Leistung“,
„Markt“, „Wettbewerbsfähigkeit“, „Innovation“
oder „Wachstum“ zum Ausdruck und in unzähligen Wettbewerben
versuchen wir uns gegenseitig mit diesen Idealen
zu übertrumpfen. Immer noch effizienter, noch exzellenter,
noch wettbewerbsfähiger und noch innovativer muss man
werden, auch wenn man in Wirklichkeit gar nicht so genau
weiß, warum und wozu. In unserer gründlich durchsäkularisierten
Gesellschaft, sind diese Begriffe zu den letzten,
nicht mehr zu hinterfragenden Werten geworden, denen
zu dienen unser höchstes Ziel ist. Ein anständiger Bürger
fragt nicht weiter, warum es immer mehr Wettbewerb oder
mehr Wachstum braucht.

Vermeintlich muss man sich diese Frage auch gar nicht
stellen, denn schließlich leben wir in einer Marktwirtschaft.
Und ein Marktwettbewerb sollte automatisch dafür sorgen,
dass diejenigen Dinge produziert werden, die am meisten
Nutzen stiften. Mit der Produktion sinnloser Dinge käme
man da, so scheint es, nicht weit. Dort wo sich mehr oder
weniger vollständige Märkte entwickelt und etabliert haben,
stimmt das auch. Wer ungenießbare Lebensmittel herstellt,
wird bald vom Markt verschwinden. Doch in vielen
Bereichen der Wirtschaft gibt es keine oder nur unvollständig
funktionierende Märkte. Und da ist man im Zuge einer
zunehmenden Markt- und Wettbewerbsgläubigkeit über
die letzten Jahrzehnte auf die fatale Idee gekommen, künstliche
Wettbewerbe zu inszenieren, um so die angebliche
überlegene Effizienz der Marktwirtschaft bis in den hintersten
Winkel jeder öffentlichen und privaten Institution
voranzutreiben. Mit missionarischem Eifer werden überall
Leistungsanreize gesetzt, doch was dabei als Leistung herauskommt,
ist in Wirklichkeit ein gigantischer Unsinn. Ein
neues Gespenst geht also um in Europa. Es ist das Gespenst
des künstlichen Wettbewerbs, welches sich zu einer Ideologie
entwickelt hat, in die wir uns verrannt haben.

Ein Markt lässt sich nicht künstlich inszenieren. Künstlich
inszenieren lassen sich nur Wettbewerbe, aber diese
sorgen im Gegensatz zu einem funktionierenden Marktwettbewerb
nicht dafür, dass die Produktion optimal auf die
Bedürfnisse der Nachfrager angepasst ist. Nur wo Wettbewerb
und Markt zusammenfallen und Marktwettbewerb
herrscht, kann die von Adam Smith erstmals beschriebene
„unsichtbare Hand“ unter bestimmten Bedingungen über
das Preissystem wirken und für Effizienz sorgen. Bei Wettbewerben
ohne Markt ist das hingegen nicht der Fall. Statt
an den Bedürfnissen der Nachfrager orientieren sich die
Produzenten eines Produktes oder einer Leistung an irgendwelchen
Kennzahlen oder Indikatoren, die für den
Erfolg im Wettbewerb maßgebend sind. Die Ausrichtung
an diesen Kennzahlen führt jedoch nicht zu Effizienz, sondern
sorgt für perverse Anreize, die dann folgerichtig auch
perverse Resultate ergeben.

Die beiden folgenden, schon etwas weiter zurückliegenden
Beispiele zeigen mit besonderer Deutlichkeit, wie
künstlich inszenierte Wettbewerbe ohne Markt das Verhalten
der Menschen pervertieren. Während der Kolonialzeit
hatten die Franzosen in Hanoi (Vietnam) mit einer Rattenplage
zu kämpfen. Um deren Zahl zu reduzieren, beschlossen
sie, den Bewohnern von Hanoi für jeden abgelieferten
Rattenpelz eine Prämie zu bezahlen. Das Resultat dieses
künstlich inszenierten Wettbewerbs: Die Bewohner von
Hanoi begannen damit, Ratten zu züchten, was die Rattenplage
wesentlich verschlimmerte. Mit andern Worten: der
messbare Indikator (Zahl der abgelieferten Rattenpelze)
stand bald einmal in einer negativen Korrelation zur tatsächlich
erwünschten Leistung (Reduzierung der Zahl der
Ratten), was zu einem perversen Anreiz führte.

Das zweite Beispiel betrifft wiederum China. Im
19. Jahrhundert wurden dort Knochen von Dinosauriern
entdeckt; die mit diesen Knochen beschäftigten Wissenschaftler
(Paläontologen) versuchten, die chinesischen
Bauern dazu zu animieren, sich ebenfalls an der Knochensuche
zu beteiligen. Zu diesem Zweck bezahlten sie ihnen
für jeden abgelieferten Teil eines Knochens eine Geldprämie.
Die Bauern ließen sich diese Chance zur Aufbesserung
ihres Einkommens nicht entgehen. Wann immer sie
jetzt einen größeren Knochen fanden, zerschlugen sie diesen
in kleinere Teile, um auf diese Weise möglichst hohe
Geldprämien zu kassieren. Auch in diesem Fall stand der
messbare Indikator (Zahl der abgelieferten Knochenteile)
nach kürzester Zeit in einer negativen Korrelation zur eigentliche
erwünschten Leistung (Möglichkeit der Rekonstruktion
von Dinosauriern).

Heute ist man geneigt, die Naivität der französischen
Kolonialregierung bzw. der Paläontologen zu belächeln.
Doch wie wir gleich sehen werden, sind diese Beispiele
hochaktuell. Ersetzen wir im ersten Beispiel die Ratten
durch Krankheiten, die Bewohner von Hanoi durch Ärzte
und die französische Kolonialregierung durch das staatliche
Gesundheitssystem, dann haben wir eine ziemlich gute Beschreibung
der gegenwärtigen Situation. Natürlich ist es
nicht so, dass Ärzte bzw. die hinter ihnen stehende Pharmaindustrie
direkt Krankheitserreger züchten und dann
die Bevölkerung damit verseuchen. Das brauchen sie auch
gar nicht zu tun. Es reicht, immer neue Krankheiten zu
„entdecken“, deren Bekämpfung oder Vermeidung (Prävention)
man sich dann bezahlen lässt. So wie die Bewohner
für abgelieferte Rattenpelze bezahlt wurden, so werden
Ärzte für geheilte bzw. verhinderte Krankheiten bezahlt.
Es lohnt sich also für diese, stets neue Gesundheitsdefizite
zu entdecken und diese dann mit aufwendigen Behandlungen
zu minimieren. Das Resultat davon sind stets steigende
Gesundheitskosten und eine stets krank bleibende Gesellschaft.

Auch das zweite Beispiel (Dinosaurierknochen) ist hochaktuell.
So werden Wissenschaftler heute danach beurteilt,
wie viele Artikel sie in angesehenen Fachzeitschriften publizieren.
Das führt zu einem gnadenlosen Publikationswettbewerb.
Zuviel Inhalt in einen einzigen Artikel hineinzupacken
wäre deshalb unklug. Also zerstückeln Wissenschaftler
eine Idee in mehrere kleine Teilideen. Mit dieser „Salamitaktik“
werden neue Ideen oder interessante Datensätze
so dünn wie Salamischeiben aufgeschnitten, um die Anzahl
der Publikationen zu maximieren. Damit dann der
einzelne Artikel trotzdem noch nach etwas aussieht, werden
inhaltliche Belanglosigkeiten zu hochkomplexen formalen
Modellen aufgeblasen oder in schwülstigen Wissenschaftsjargon
verpackt, um von der Banalität des Inhalts
abzulenken. Aufgrund dieses Zerstückelungsprozesses sind
Inhalte in vielen wissenschaftlichen Artikeln zu einer Nebensache
verkommen, was zählt, ist die Form: ein schönes
Modell, ein komplexes Gleichungssystem, raffinierte Experimente,
Daten, die mit ausgeklügelten statistischen Verfahren
untersucht werden.

Wie in den eben geschilderten Beispielen wird heute
aufgrund von künstlich inszenierten Wettbewerben massenhaft
Unsinn produziert. Da werden von Wissenschaftlern
mit Fleiß und Akribie jedes Jahr in Tausenden von
Fachzeitschriften über Hunderttausende von Seiten Fragen
beantwortet, deren Antwort niemand wissen will. In
unzähligen Projekten werden von Planern und Strategen
Konzepte für Reformen und Neuorganisationen entworfen,
ohne dass jemand Bedarf dafür angemeldet hat. Immer
mehr junge Menschen werden in Hochschulen über lange
Jahre ausgebildet, um irgendwelche Bachelors und Masters
zu erwerben, die kaum etwas zu ihrem Können in ihrem
zukünftigen Berufsleben beitragen. Es werden immer
mehr medizinische Untersuchungen und Tests für die Prävention
von Krankheiten durchgeführt, die nie eintreten.
Und wenn wir ein für uns geeignetes Joghurt oder eine geeignete
Universität auswählen wollen, werden wir mit aufwendig
erstellten Qualitätslabels und Zertifikaten konfrontiert,
die uns bei der Auswahl keine Hilfe sind.

Diese Entwicklungen sind aber, so wird uns gesagt, zentral
für unseren Wohlstand und unser persönliches Wohlbefinden.
Je mehr Fachartikel publiziert werden, je mehr
Reformen durchgeführt werden, je mehr Menschen studieren,
je mehr medizinische Untersuchungen wir haben,
je mehr Qualitätslabels ausgestellt wurden, umso besser
gehe es uns. Nur leider ist das nicht der Fall. Die Produktion
nutzloser Erzeugnisse schafft zwar Arbeitsplätze, doch
verhindert sie gleichzeitig die Produktion der qualitativ
wertvollen Erzeugnisse, die tatsächlich benötigt werden.
Sinn wird durch Unsinn verdrängt, Qualität durch Quantität
und die Freude an einer Tätigkeit durch Zuckerbrot
und Peitsche. Auf diese Weise ist eine neue Wettbewerbsbürokratie
entstanden, welche die alte Beamtenbürokratie
abgelöst hat. Doch die neue Bürokratie ist viel raffinierter,
da sie unter dem Deckmantel von Markt, Wettbewerb
und Effizienz daher kommt. Es könnte einem fast der Verdacht
kommen, dass da heimlich an einem gigantischen,
international koordinierten Keynesianischen Beschäftigungsprogramm
gearbeitet wird, welches uns die Nützlichkeit
sinnloser Tätigkeiten vorgaukeln soll. Doch das ist
nicht der Fall. Hinter diesem ganzen Unsinn steckt keine
Keynesianische Weltverschwörung. Er ist das Resultat einer
sich global ausbreitenden Pervertierung der Marktwirtschaft,
die darin besteht, überall künstliche Wettbewerbe
um messbare Kennzahlen zu inszenieren.

Das Buch ist folgendermaßen aufgebaut: In einem ersten
Teil geht es um das Verhältnis zwischen Markt und
Wettbewerb und um die mit künstlichen Wettbewerben
ohne Markt verbundenen Illusionen. In Kapitel 2 wird
der Idealfall des Marktwettbewerbs dargestellt, auf dem
die von Adam Smith beschriebene unsichtbare Hand des
Marktes für Effizienz sorgt. Allerdings sind die Bedingungen
für diesen Idealfall in der Realität immer nur mehr
oder weniger erfüllt und real existierende Märkte demzufolge
auch nur mehr oder weniger effizient. Solange jedoch
eine vom Angebot unabhängige Nachfrage existiert
und ein Preissystem Angebot und Nachfrage aufeinander
abstimmt, sorgt der Markt im Allgemeinen für eine bessere
Lösung als jedes andere Verteilungssystem. Ohne ein funktionierendes
Preissystem ist das aber nicht mehr der Fall
und man kann sich die Markteffizienz nicht durch künstliche
inszenierte Wettbewerbe ohne Markt herbeizaubern.
In den Kapiteln 3 bis 5 werden die hinter dieser Idee stehenden
Illusionen erläutert. Kapitel 3 beschreibt die Wettbewerbsillusion,
die davon ausgeht, dass sich die Effizienz
eines Marktwettbewerbs auch ohne Markt durch künstlich
inszenierte Wettbewerbe erreichen lässt. Kapitel 4 handelt
von der Messbarkeitsillusion, die uns glauben machen will,
dass man qualitative Leistungen mit Kennzahlen messen
könne. Und Kapitel 5 beschreibt die Motivationsillusion,
die hinter der Idee steckt, dass man Menschen mit Zuckerbrot
und Peitsche zu Höchstleistungen verführen kann.

Im zweiten Teil wird dann beschrieben, wo es überall
zu Unsinnproduktion kommt und welche Folgen diese mit
sich bringt. Kapitel 6 gibt eine Übersicht, wobei neben den
drei Hauptbereichen Wissenschaft, Bildung und Gesundheitswesen
auch die Unsinnproduktion durch künstliche
Wettbewerbe in Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung
und bei privaten Großunternehmen angesprochen
wird. In Kapitel 7 und 8 werden die beiden Bereiche Wissenschaft
und Gesundheitswesen genauer analysiert. Kapitel
7 zeigt, wie künstlich inszenierte Wettbewerbe zur Förderung
der Exzellenz in der Wissenschaft zu immer mehr
Nonsens führen, was sich vor allem bei den Publikationen
beobachten lässt. Kapitel 8 beschreibt die Unsinnproduktion
im Gesundheitswesen, wo inszenierte Wettbewerbe
zu immer mehr Untersuchungen und Medikamentenvergabe
statt individueller Heilung führen. Das abschließende
Kapitel 9 enthält einige wichtige Grundsätze für eine zukünftige
Politik, die auf künstliche Wettbewerbe verzichtet.
Und genau dieser Verzicht ist die wichtigste Forderung
dieses Buches.